Unser essbares Ökosystem Garten
„Großer Geist was sollen wir tun, wenn die Quellen versiegen, das Land verdorrt, die Äcker unfruchtbar werden? Was sollen wir tun, ohne das Vorbild der Feldblumen, ohne die Stimmen der Tiere, ohne die Zwiesprache des Regens mit den Blättern im Wald? Was sollen wir tun, ohne die Geheimnisse des Lebens? Wer wird uns nähren, wer wird uns lehren? Wohin sollen wir gehen und wo unser Herz zur Ruhe legen?“
Diesen ergreifenden Vers fand ich in den Weiten des Internets. Lang habe ich darüber sinniert, doch es kam mir nur eine Lösung. Ein wichtiger Lösungsweg. Der Garten. Er nährt uns, er spendet uns Schatten, er gibt uns Heimat. Deshalb will ich hier meine Erfahrungen mit unserem Permakultur-Garten teilen. Vielleicht findet ihr hier Anregungen den eigenen Garten umzugestalten oder findet zur Leidenschaft des Gärtnerns. Ich kenne jedenfalls keine größere Befriedigung.
Wir bewirtschaften diesen Garten heuer das dritte Jahr und die beiden vorangegangenen Jahre bescherten uns schon große Erträge. Natürlich mussten auch wir uns den Gegebenheiten anpassen, die in diesem Grundstück bereits vorhanden waren. Zu unserem Glück übernahmen wir Haus und Garten von einem ebenfalls ökologisch eingestellten Paar, d. h. Kunstdünger kennt dieser Garten nicht. Vorhanden waren bereits zwei Kirschbäume, ein Apfelbaum, ein Zwetschgenbaum, eine Felsenbirne und ein Walnussbaum, ein Brombeerbusch, Johannisbeeren, Stachelbeeren und Himbeeren. Ein gut gepflegter Komposthaufen war auch vorhanden. Ein Permakulturgarten benötigt die meiste Zeit und Pflegeaufwand am Anfang. Danach ist der Aufwand minimal, denn das Ökosystem stabilisiert sich von selbst. Bis auf Kartoffeln und Getreide versorgen wir uns absolut selbst. Ab Ende Mai wird die Küche kaum noch benötigt, denn unsere Jungs (2 und 4 Jahre) ernähren sich aus dem Garten. Erst ab Oktober verlagert sich unser Leben wieder ins Haus.
Was ist denn nun an unserer Bewirtschaftung so anders? Wir sehen es an den perfekten „sauberen und geordneten“ Gärten unserer Nachbarn. Ein mitleidiges Lächeln hatten sie für uns. Am Anfang. Jetzt lachen sie allerdings nicht mehr und testen schon selbst einiges aus. Zuallererst packten wir Kompost, getrockneten Grasschnitt und im Herbst Laub auf unsere Beete. In der Natur findet man schließlich auch keine nackte Erde! So wird zwischen den Kulturen und einzelnen Pflanzen gemulcht. Das hält die Erde im Sommer schön feucht, wir brauchen also viel weniger zu gießen und unerwünschte Beikräuter und Gräser werden unterdrückt. Als wir die große Wiese zu weiteren Gemüsebeeten umwandelten gruben wir nicht um! Wir legten im Herbst alles mit Pappkarton aus und holten uns Laub aus den Gärten der Nachbarn, soviel wir kriegen konnten. Keine Angst. Ist das Laub erst einmal nass, hat der Wind keine Chance die Blätter weg zu wehen. Der Pappkarton verrottet weitgehendst bis zum Frühjahr. Dann eine Schicht Erde darauf und es kann ausgesät oder gepflanzt werden. Durch effektive Mikroorganismen als Starter für den Boden und die weitere Behandlung des Bodens und der Pflanzen mit Produkten des Plocher Integraltechnik-Systems (eigene Erfahrungen mit diesem System seit 12 Jahren)oder den effektiven Mikroorganismen, hat man von Anfang an gesunde und kräftige Pflanzen.
Nutzung jeder Nische
Neben unserer Einfahrt steht eine ca. 45 Jahre alte Magnolie. Magnolien haben eigentlich in einem Naturgarten nichts zu suchen. Doch diese Magnolie ist unser „Elfenbaum“. Das Alter macht sie erhaben über alle Regeln. Sie nimmt eine ziemlich große Fläche ein, die man schon anderweitig nutzen könnte, doch sie hat das Hausrecht! Der Bärlauch zu ihren Füßen wächst allerdings sehr gut. Des weiteren haben sich selbst Himbeeren mit angesiedelt und das Brombeerreis, das ich letzten Frühling in die Erde gesteckt habe, hat sich gut entwickelt. Weitere schattenverträgliche Heilkräuter wie Silberkerze, Lungenkraut und Schlüsselblume haben wir angesiedelt und der wild wuchernde Giersch ist schließlich auch essbar. Frühlingsblüher wie Tulpen, Hyazinthen und Narzissen machen den Eindruck des Elfenbaumes im Frühling perfekt. Hinter dem alten Viehstall ist der Kompost angesiedelt, aber auch Himbeeren. Etwas schattig, aber sehr geschützt bringen sie sehr gute Erträge. Weitere Johannis- und Stachelbeeren haben wir hinter den Stadl platziert, direkt in Nachbarschaft zum Meerrettich und dem Topinambur. Beide letztere, sind sie erst mal gepflanzt, sind kaum noch auszurotten. Hier braucht auch nur noch alljährlich geerntet zu werden. Die Topinamburknollen bieten hier auch noch den Vorteil, das sie gleich im Frühling nach dem Frost oder auch noch im Winter bei frostfreier Witterung zu ernten sind. Die zwei Weinstöcke lehnen sich an die Südseite des Stadls, umringt von jeder Menge Majoran. Übrigens ein Paradies für Bienen und Hummeln. Der Walnussbaum steht begleitet von der Felsenbirne und jeder Menge Baldrian. Der Schatten des schon beachtlichen Baumes beherbergt aber auch noch den Rhabarber, eine Wildrose, schwarze Johannisbeeren und wieder einige Himbeeren. Außerdem stehen bei uns die Beerensträucher so weit auseinander damit dazwischen noch etliches essbares Platz findet und dadurch aber auch noch geschützt wird. Letztes Jahr zum Beispiel, Kolbenbraunhirse und Zuckermais, Physalis (Andenbeere) und Pattisonkürbisse. An der Süd-Ost-Seite des Stadls, finden sich einige Kräuter, wie Eberraute, Salbei, roter Sonnenhut, Königskerze, Seifenkraut, Brennnesseln und Melisse. Dahinter haben wir noch große Töpfe mit Tomaten platziert. An der Nord-Ost-Seite des Hauses gedeihen trotz viel Schattens Hundsrosen und Bronzefenchel. Erdbeeren und eigentlich alle weiteren Kräuter so nach Lichtbedarf aufgereiht, dass alle gut gedeihen. Die kleinen Monatserdbeeren, den Walderdbeeren sehr ähnlich, sind mittlerweile überall dazwischen und haben den Boden im Sommer gut abgedeckt. Zwischen den Kräutern haben wir zusätzliches Gemüse angebaut, wie Mangold, Spinat, Erbsen, Buschbohnen und Kürbisse. Das Hochbeet beherbergt Schwarzwurzeln und Zuckerwurzel, Hängeerdbeeren und Ananaskirsche, eine kleinere Verwandte der Andenbeere. Außerdem in sehr sonniger Lage haben wir Melonen in Töpfe gepflanzt. Auch die Paprika gedeihen bei uns in Töpfen bzw. in Kästen, die direkt an der Hausmauer aufgestellt sind. So sind sie am geschütztesten und gedeihen hervorragend. Mit Kompost, Gesteinsmehl und Hornspänen in der Erde braucht man auch den ganzen Sommer nicht nach zu düngen. Bei uns ist jedes Fleckchen des Grundstücks genutzt. Sosehr sogar, dass wir sogar Platzprobleme hatten, als unsere Kinder eine Schaukel geschenkt bekamen . Übrigens sind Prunkbohnen und Kapuzinerkresse total schön in Balkonkästen und in Hängeampeln.
Schädlinge und Krankheiten im Permakulturgarten
Wirklich große Probleme hatten wir nur mit den Schnecken. Durch den milden Winter 2006/07 gab es Unmengen davon. Wir versuchten uns mit vielen Methoden. Von Absammeln bis einsalzen und zerschneiden. Diese Arbeit wurde zu meiner Hauptarbeit! Schließlich haben wir uns dazu entschlossen stolze Besitzer von Schneckenenten (Laufenten) zu werden und noch dazu 2 Seidenhühner. Die Enten sollten die Schnecken fressen und die Hühner die Schneckeneier und weiteres Schädlingsinsekt. Erst da wurde die Schneckenplage wieder leichter. Allerdings müssen wir jetzt im Sommer zwei Planschbecken aufstellen. Eins für die Kinder und eins für die Enten! Diesen Frühling werden wir allerdings die Beete mit einem ca. 30-40 cm hohen Zaun einzäunen müssen. Nicht nur um die Enten aus den jungen Salatpflanzen fern zu halten, sondern auch unseren Jüngsten. Korbinian arbeitet nämlich immer extra in den Beeten, zum Leidwesen der plattgedrückten Pflänzchen. Er legt hier auch eine Wahnsinns Geschwindigkeit an den Tag. Weitere Schadtiere haben in einem ökologisch bewirtschafteten Garten fast keine Chance. Ein Beispiel bot uns die Wühlmaus in Nachbars brachliegendem Garten, der allerdings alljährlich zusätzlich mit Blaukorn gedüngt wird. Die Schafe die darauf immer wieder weiden, haben leider kein Mitspracherecht. Die Wühlmaus richtete ziemlichen Schaden an, kam aber nur kurz unter dem Zaun hindurch und hielt sich wirklich nicht lange bei uns. Eine Falle wurde ihr dann in Nachbars Garten zum Verhängnis. Wichtig ist auch immer kleine Reisighaufen in geschützten Ecken liegen zu lassen. So haben Igel und Eidechsen einen idealen Unterschlupf. Für Wildbienen und weitere Nutzinsekten eignen sich Holzstücke mit Lochbohrungen oder gebündelte Schilfstiele. Pflanzenkrankheiten, wie Mehltau oder Rost halten sich in der Mischkultur in Grenzen. Zur Abwehr der weißen Fliege an Kohlpflanzen hat sich Vliesabdeckung bewährt. Oder eben auch Pflanzen, die Schadinsekten anziehen. Diese haben allerdings ein für und wider. Sollten Gurken, Tomaten und ähnliches dennoch von Blattkrankheiten befallen werden, so stärkt man die Pflanzen entweder (schon jahrelang bewährt) mit der Pflanzenstärkung von Plocher Integraltechnik oder mit Pflanzenjauchen und effektiven Mikroorganismen. Auch kann man beides kombinieren. Jauchen mit Beinwellkraut und Brenneselkraut halten auch die weiße Fliege vom Kohl fern und kräftigen die ganzen Pflanzen. Gegen Pilze wie Mehltau ist Schachtelhalmbrühe angesagt. Schachtelhalm, oder auch Zinnkraut genannt, findet man an kargen Wegrändern oder an Bahndämmen. Oft aber auch zwischen Pflastersteinen. Hat man ihn im Garten ist er kaum auszurotten, genauso wie der Giersch. Doch eine große Regel gilt: Pflanzen, bzw. sogenannte Unkräuter im Garten wachsen dort vermehrt wo sie gebraucht werden! Lässt man den Garten möglichst natürlich, finden sich alle Kräuter ein die wir selbst brauchen. Brauchen wir sie nicht mehr, verschwinden sie von alleine. Deshalb: solltet auch ihr solch unerwünschte Beikräuter in eurem Garten finden, nehmt bitte zuerst ein Heilkräuterbuch oder den Themenhefter Kräuter und schlagt nach, welche Heilwirkungen diese Kräutleins haben. Ihr werdet erstaunt sein. Welchen Unterschied macht es aus, ob wir nun mit Blaukorn düngen oder mit Kompost und mit Urgesteinsmehl? Einen Riesengroßen! Hier ein Beispiel aus dem Buch von Erhard Hennig: „Geheimnisse der fruchtbaren Böden“ (S. 26) Als in den fünfziger Jahren die Maul- und Klauenseuche (MKS) in verheerender Weise in vielen Landesteilen von Hof zu Hof grassierte und viele Rinder der Seuche zum Opfer fielen, erregte folgender Vorfall großes Aufsehen unter den Bauern. Die Viehweide eines ökologischen Betriebes grenzte unmittelbar an die Weide eines stark mit synthetischem Stickstoff und Fäulnismist bewirtschafteten Betriebes. Obwohl die Kühe des „Öko-Bauern“ mit der infizierten kranken Nachbarherde zusammengekommen waren, blieben die Tiere von der MKS verschont. Hier zeigt sich wieder deutlich, dass das kompostgedüngte Futter der Weide großen Einfluß auf die Widerstandskraft der Rinder ausübt. Auch die Schweinepest wütete etwa zur gleichen Zeit wie die MKS unter den Tierbeständen. Zu Tausenden mussten Zucht- und Mastschweine „abgekeult“ werden. Die Verluste für die Bauern waren enorm. Dagegen verlief die Seuche in Höfen mit ausgeprägter Kompostbereitung ausgesprochen mild, h. h. einige Tiere erkrankten leicht, mussten aber nicht notgeschlachtet werden und erholten sich sehr rasch. Der naturgemäße Kreislauf: Bodenhumus – Kompost – Futter – führte zu gesunden Tierbeständen.“ Und jetzt braucht man nur noch diese Beispiele auf den Menschen zu übertragen.
Gesunder Gartenkreislauf – gesunder Mensch!
Auch die Babylonier, Assyrer und die Inkas hatten gewaltige Bewässerungsanlagen mit Steinmehlanwendung. Es gibt immer noch Völker auf der Erde, die weitgehend abgeschirmt von der Zivilisation leben. Sie bestellen Ihre Felder und ernähren sich davon. Krankheiten sind ihnen weitgehend fremd und ein Alter von 120 Jahren ist nichts ungewöhnliches. Das Geheimnis? Gesteinsmehl. Es kommt in Form von Gletschermilch, Gesteinsmehl gebunden in Wasser, von den Bergen und damit bewässern diese Menschen ihre Pflanzen. Jetzt wissen wir, Mineralien sind das A und O, sowohl für die Pflanzen, als auch für die Menschen. Gesteinsmehl kann direkt auf die Beete, zu Sträuchern und Bäumen, aufgebracht werden. Aber auch auf den Kompost aufgebraucht oder in Stallungen gestreut, verrichtet es seine Arbeit. Der Mist unserer lieben Haus- und Nutztiere wird dadurch optimal vorbereitet und kann so seine Düngerwirkung erst richtig entfalten. Fäulnisbakterien und Gerüche werden dadurch auch entsprechend gehemmt. Ein gut funktionierendes Bodenleben, das sogenannte Edaphon, wird auch spielend mit den heutigen Umwelteinflüssen fertig. Die Würmer und die Mikroorganismen wandeln den sogenannten sauren Regen und sonstige Schadstoffe um, in unschädliche Stoffe. Das kann der kunstgedüngte Boden nicht. Auch Erde die regelmäßig umgegraben wird, tut sich hier schwer. Nicht nur, das die Bakterien, die an die Oberfläche gehören, auf einmal tiefer im Boden sind, und die Organismen die nach unten gehören an der Oberfläche absterben. Durch unsere Eisengeräte entstehen elektrische Funken, die die Würmer und sonstiges Bodenleben hemmen. Deshalb sind schon viele, auch Bio-Bauern auf Kupfergeräte umgestiegen. Ein befreundeter Bio-Bauer berichtet seitdem von einem Mehrertrag von 20 %! Ziele und was wir noch erreichen wollen Jetzt haben wir ja bereits einen tollen Selbstversorgergarten, der uns mit Nahrung und Heilmitteln optimal versorgt. Doch es geht noch besser. Wir wollen uns zusätzlich einen Waldgarten anlegen, damit wir auch mit unserer Apfelernte durch den Winter kommen. Auch Wildbeeren fänden dort ihren optimalen Platz und könnten dadurch unseren Speiseplan enorm erweitern. Das I-Tüpfelchen soll aber ein Perma-Gewächshaus werden. Pläne dazu findet ihr im Internet. Ein autarkes Gewächshaus. Beheizt mit Solarwärme, Bodenheizung usw. Der Strom für die Wasserpumpen kommt von einer kleinen Photovoltaikanlage. Hier kann man also auch im Winter Südfrüchte und jegliches weitere Gemüse ernten. Lediglich die Anschaffungskosten sind etwas hoch. Dafür ist man autark und man hat seine eigene kleine Biosphäre. Auch hier ist es so. Viel Arbeit bei der Errichtung und fast keine mehr danach. Bei eingebauten Tröpfchenschläuchen entfällt sogar das gießen. Ihr seht, wir müssen nicht auswandern. Wir können uns auch in Deutschland eine ganz persönliche Lebensinsel schaffen. Uns gesund ernähren aus dem eigenen Anbau. Ein Vorbild sein und Anregungen geben für unsere Nachbarn. Natürlich werden wir anfangs vielleicht für verrückt gehalten. Aber unsere Mitmenschen gewöhnen sich daran und nehmen sich wahrscheinlich sogar ein Beispiel. Und damit sind wir wieder ein Stück weiter in der Zustandsverbesserung. Und kommen damit Schritt für Schritt immer ein Stückchen nach vorne. Übrigens finden Überschüsse aus unserem Anbau reißenden Absatz! Ich wünsche frohes Gärtnern!
Mit lieben Grüßen
Hannelore Zech
Informative Bücher zu diesem Thema:
Selbstversorgung aus dem Garten von John Seymour
Das Biogarten Handbuch von Annelore und Susanne Bruns
Die letzte Chance für eine Zukunft ohne Not von Annie Francé-Harrar
Themenhefter Kräuter und Themenhefter Agrar der Kent-Depeschen
Im Internet: www.so-gehts-euch-gut.de
www.permagewächshaus.de
www. permakultur.net